Der TimeBill-Blog
23.000 Aufrufe auf Reddit brachten mir 14 Downloads. Das habe ich daraus gelernt.

Die Kunst, Nutzer zu erreichen
Ich habe meine macOS-App heute auf Product Hunt vorgestellt.
Das hier wird keine geradlinige Erfolgsgeschichte, denn das ist sie nicht. Ich schreibe darüber, weil ich glaube, einen Fehler gemacht zu haben, den viele technisch versierte Gründer machen: Ich habe viel Zeit darin investiert, das Produkt zu verbessern, und erst später verstanden, wie hart es wirklich ist, überhaupt sichtbar zu werden.
TimeBill ist eine native Mac-App, mit der Freelancer abrechenbare Stunden erfassen, Rechnungen erstellen und Stundennachweise lokal exportieren können. Kein Konto, kein Cloud-Dashboard, keine Bindung an einen SaaS-Anbieter.
Ich halte diese Positionierung nach wie vor für sinnvoll. Kundennamen, Stundensätze, Projektnotizen, Rechnungen und Stundennachweise sind nicht einfach irgendwelche Produktivitätsdaten. Sie verraten viel über dein Unternehmen und deine Kunden. Deshalb habe ich darauf gesetzt, dass eine Mac-App, die Daten vorrangig lokal verarbeitet, für Freelancer wertvoll sein könnte, die nicht für jeden sensiblen Arbeitsablauf ein weiteres Cloud-Abo abschließen möchten.
Die App ist bereits im Mac App Store erhältlich und deckt die wesentlichen Schritte ab: Arbeitszeit erfassen, Projekte organisieren, Rechnungen erstellen, Stundennachweise exportieren und die Daten lokal behalten. Das Rechnungsmodell habe ich außerdem auf EN 16931 ausgerichtet, weil die Unterstützung europäischer E-Rechnungen auf der Roadmap steht.
Aber die App zu entwickeln war nicht der schwierige Teil. Schwierig war, überhaupt jemanden dafür zu interessieren.
Vor einiger Zeit habe ich auf Reddit über TimeBill geschrieben. Ein Beitrag bekam rund 23.000 Aufrufe. Zuerst klang das für mich riesig. Tatsächlich kamen dabei etwa 14 Downloads heraus. Ein paar hilfreiche Rückmeldungen, ein paar nette Kommentare, aber kein nennenswerter Zulauf.
Das war die erste Lektion: Aufrufe sind keine Nachfrage.
Später habe ich mir den Weg vom ersten Kontakt bis zum Kauf genauer angesehen. Für sich genommen waren meine App-Store-Zahlen gar nicht so schlecht: 309 Aufrufe der Produktseite führten zu 63 Downloads, also zu einer Conversion-Rate von etwa 20,4 %. Aus diesen 63 Downloads wurden 16 zahlende Nutzer, was einer Conversion-Rate vom Download zum Kauf von etwa 25,4 % entspricht. Der tatsächlich erzielte Gewinn pro zahlendem Nutzer lag bei ungefähr 9 $. Damit betrug der erwartete Gewinn pro Download rund 2,29 $ und pro App-Store-Aufruf etwa 0,47 $, also ungefähr 0,43 €.
Auf dem Papier sieht das nicht hoffnungslos aus.
Das Problem ist, Menschen aus meiner Zielgruppe zu vertretbaren Kosten auf diese App-Store-Seite zu bringen.
Ich habe Reddit Ads ausprobiert. Die Kampagne kostete 94,79 € und brachte 65.628 Impressionen sowie 153 Klicks. Der Klickpreis, also der CPC, lag bei 0,62 €, die Klickrate, also die CTR, bei 0,233 %. Auch das sind keine völlig absurden Zahlen. Für meinen Weg vom Klick zum Kauf und den derzeitigen Umsatz pro Käufer ist selbst dieser Klickpreis aber schon zu hoch, wenn die Besucher nicht sehr gut zur Zielgruppe passen. Und bei einer macOS-App passt ein großer Teil des Traffics schlicht grundsätzlich nicht: Mobile Nutzer können sie nicht installieren. Andere stöbern nur beiläufig. Sie klicken, aber sie sind nicht unbedingt gerade bereit, etwas zu kaufen.
An diesem Punkt wurde schmerzhaft deutlich, wie wenig Spielraum die kleinen Beträge lassen.
Wenn mir ein App-Store-Aufruf ungefähr 0,43 € wert ist, rechne ich bei einem Anzeigenklick für 0,62 € bereits mit Verlust. Dabei ist noch gar nicht berücksichtigt, dass nicht aus jedem Anzeigenklick tatsächlich ein Aufruf der App-Store-Produktseite wird. Die Rechnung kann nur aufgehen, wenn ich den Umsatz pro Käufer erhöhe, die Conversion verbessere, den Klickpreis senke oder deutlich passendere Besucher erreiche. Am besten alles zusammen.
Das tat weh. Denn das Produkt kann ordentlich sein und der Weg zum Kauf sogar ganz brauchbar aussehen. Trotzdem scheitert das Geschäft, wenn die Kundengewinnung zu teuer ist oder zu wenig Menschen erreicht.
In den vergangenen Wochen habe ich deshalb weiter an den Dingen gearbeitet, die ich beeinflussen konnte. Ich habe die Website neu geschrieben, gezieltere Landingpages gebaut, kleine kostenlose SEO-Tools ergänzt, an App-Store-Keywords, Screenshots, Untertiteln und Texten gearbeitet, Annahmen zu Reddit und Google Ads getestet und verschiedene Positionierungen ausprobiert: native Mac-App, lokale Rechnungsstellung, datenschutzfreundliches Tool für Freelancer, Zeiterfassung plus Rechnungen, Alternative zu überladenen SaaS-Tools.
Einige dieser Ansätze klingen für mich überzeugend. Aber dem Markt ist egal, was der Entwickler überzeugend findet. Es zählt nur, ob die richtige Person das Angebot im richtigen Moment sieht und den Nutzen schnell genug versteht.
Heute habe ich TimeBill auf Product Hunt vorgestellt und musste auch dort meine Erwartungen korrigieren. Ich hatte gehofft, Product Hunt könnte mir den fehlenden Schub an Aufmerksamkeit geben. Inzwischen glaube ich, dass es eher bereits vorhandenen Schwung verstärkt. Wenn du schon eine Community, einen Newsletter, einen Kundenstamm oder ein aktives Netzwerk anderer Entwickler hast, gibt Product Hunt diesem Schwung einen sichtbaren Ort, an dem er sich bündeln kann. Wenn du ohne all das startest, musst du den Stein weiterhin weitgehend selbst ins Rollen bringen.
Meine bisherige Erkenntnis ist einfach:
Ein Launch zeigt nicht wirklich, ob dein Produkt am Markt ankommt. Er zeigt, ob deine Kundengewinnung funktioniert.
Das ist unbequem, denn Entwickeln ist der Teil, den ich beherrsche. Bei der Kundengewinnung gibt es keinen Compilerfehler, keinen fehlgeschlagenen Test und keine offensichtliche Lösung. Nur winzige Zahlen, viele Absprünge auf dem Weg zum Kauf und jede Menge Ungewissheit.
Anderen technisch versierten Gründern würde ich deshalb sagen: Wartet nicht, bis sich das Produkt „fertig“ anfühlt, bevor ihr die Kundengewinnung ernst nehmt. Ein ausgereiftes Produkt ohne Publikum bleibt fast unsichtbar. Und eine winzige Zielgruppe mit einem klaren Problem kann mehr wert sein als eine schöne App, die 65.000 größtenteils gleichgültigen Menschen gezeigt wird.
Ich bin immer noch stolz auf TimeBill. Ich glaube weiterhin, dass Software, die Daten vorrangig lokal verarbeitet, ihren Platz hat, gerade bei sensiblen geschäftlichen Abläufen. Aber ich versuche auch, ehrlich zu benennen, wo es wirklich hakt.
Für mich ist das nicht die Veröffentlichung. Es ist die Aufgabe, die Aufmerksamkeit der richtigen Menschen zu gewinnen.
Zur Einordnung, hier ist der heutige Product-Hunt-Launch: TimeBill auf Product Hunt